Marktlage – Hochzinsanleihen vs. Dividendenrenditen

Heute las ich einen Bericht, in dem es darum ging, dass die Zinsen der Hochzinsanleihen von Unternehmen niedriger sind als die Dividendenrenditen.

 

Bericht: Seltsames Phänomen bei Hochzins-Anleihen macht Goldman-CEO Blankfein nervös

 

Wie ist so etwas zu interpretieren?

Die Bonität der Unternehmen entscheidet über den Zinssatz der emittierten Unternehmensanleihen. Wird von einer schlechten Bonität gesprochen, so ist auch der Zinssatz, zu welchem sich ein Unternehmen Geld am Kapitalmarkt besorgen kann, hoch. Dieser Zustand wird als normal anerkannt und jeder normal denkende Mensch würde dies befürworten. Eine riskante Investition soll auch dementsprechend entlohnt werden.

 

Wie aber kann es sein, dass Unternehmen schlechter Bonität nun einen geringeren Zinssatz zahlen müssen, wie Unternehmen guter Bonität Dividendenrenditen aufweisen?

 

Zum einen könnte dies daran liegen, dass durch das Aufkaufen von Unternehmensanleihen durch die Zentralbanken, nun auch die Hochzinsanleihen davon profitieren. Hier würde der Markt vollständig versagen und jegliche Effizienz könnte ausgeschlossen werden. Ich bin zwar kein Freud der Effizienzmarkttheorie, bin mir aber der Tatsache bewusst, dass der Markt trotzdem ziemlich effizient agiert. Bei solch einem Zustand, wird auch gerne von einer schiefen Wette gesprochen. Ein bisschen mehr Zins rechtfertigt noch lange keine hohen Risiken, wie sie bei Hochzinsanleihen vorhanden sind. Ein solches dummes Marktversagen möchte ich deshalb ausschließen.

 

Zum anderen kann es auch daran liegen, dass die Mehrheit der Anleger Hochzinsanleihen mit einem geringen Zinssatz als die aktuell beste Möglichkeit in Betracht zieht. Die Zinskurve ist aktuell sehr flach und suggeriert langfristig niedrige Zinsen. Aus diesem Blickwinkel scheinen Hochzinsanleihen die bessere Alternative, wenn man davon ausgeht, dass die Unternehmen solvent bleiben. Wieso aber werden Unternehmensanteile in Form von Aktien gemieden, wenn diese eine höhere Dividendenrendite aufweisen? Die globalen Aktienmärkte stehen aktuell auf hohem Niveau und das Chancen-Risiko Verhältnis ist schlecht. Wenn die Mehrheit der Marktteilnehmer nun davon ausgeht, dass die Märkte korrigieren und anschließend langfristig auf niedrigerem Niveau verharren werden, dann wären heute Hochzinsanleihen auch die bessere Alternative. Lieber einen niedrigen Zins und am Laufzeitende den Nennwert, wie eine Dividende und Kursverluste.

 

Oftmals ist es genau die Erwartungshaltung des Marktes, was dann dazu führt, dass zukünftig genau diese Ereignisse eintreten. Was aber die Zukunft bringen wird, das weiß niemand. Auch haben die Zentralbanken weltweit noch niemals ein solches Verhalten an den Tag gelegt. Noch nie wurde so stark interveniert wie heute. Ich glaube, die einzige Möglichkeit sich bestmöglich abzusichern, ist die Diversifikation über diverse Anlageklassen sowie Regionen hinweg.

 

Wie immer sollen meine Blogeinträge lediglich zum nachdenken anregen.

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Wieso Gold?

Wieso Gold?

und dann auch noch 20% des Depots? Hierzu muss ich ein wenig ausholen. Langfristig gesehen, war der Aktienmarkt die Anlageklasse mit den höchsten Renditen, trotz allen Krisen und Kriegen. Unser kapitalistisches und auf Zinseszins aufbauendes System ist darauf ausgelegt immer weiter zu wachsen. Auch wenn die Vergangenheit kein zuverlässiger Indikator für die Zukunft ist, kann ich mir eine Welt ohne Unternehmen nicht vorstellen. Deshalb setze ich ganz stark auf die Anlageklasse Aktien. Da Aktien stark schwanken und bei einer Krise gerne auch mal 50% nach unten gehen, habe ich mich entschieden eine weitere Anlageklasse mit ins Boot zu holen. Diese Anlageklasse sollte sich am besten in Krisenzeiten gegenläufig verhalten, aber trotzdem langfristig im Wert steigen. Hierzu kamen folgende Anlagen in Betracht:

 

  1. Rohstoffe
  2. Immobilien
  3. Unternehmensanleihen
  4. Staatsanleihen
  5. Gold

 

1. Rohstoffe (außer Gold):

Da ich das handeln mit Rohstoffe nicht vollends verstehe, halte ich die Finger davon. Eine der Regeln die ich befolge: Niemals in etwas zu investieren, wovon ich nichts verstehe. Außerdem korreliert der Rohstoffmarkt in Krisenzeiten stark mit dem Aktienmarkt. Die Industrie braucht keine Rohstoffe, wenn die Nachfrage nach Produkten wegbricht. Dies würde zu fallenden Preise der Rohstoffe führen. Deshalb sind Rohstoffe nicht die Lösung zu meiner Suche.

 

2. Immobilien:

Hier würden nur ein ETF auf REITs in Frage kommen, jedoch ist mir die Korrelation zwischen dieser Anlageklasse und Aktien im Krisenzeiten zu hoch. REITs, sind nichts anderes wie Unternehmen, die mit Immobilien ihre Brötchen verdienen. Bei einer Krise sinkt die Nachfrage nach Immobilen, was an Börse zu Kursstürzen führen wird. Deshalb kommen REIT ETFs auch nicht in Frage. Wie gesagt, ich bin ja auf der Suche nach einem Asset mit wenig Korrelation in Krisenzeiten.

 

3. Unternehmensanleihen:

Unternehmensanleihen scheiden aus, da diese Anlageklasse in Krisenzeiten stark mit dem Aktienmarkt korreliert. Unternehmensanleihen sind von Firmen herausgegeben festverzinsliche Schuldverschreibungen. Bei einer Krise kommen Unternehmen in unruhige Gewässer, woraufhin die Gefahr eines Ausfalls dieser Papiere signifikant zunimmt.

 

4. Staatsanleihen:

Anleihen aus Industriestaaten mit höchster Bonität, erfüllen die Anforderung der geringen Korrelation. Jedoch bin ich der Meinung, dass die historisch begründete geringe Korrelation zwischen Staatsanleihen (höchster Bonität) und Aktien in Krisenzeiten vor einem Wendepunkt stehen.

 

Gerne wird davon gesprochen, dass Staatsanleihen von Industriestaaten höchster Bonität absolut „sicher“ sind. Ich habe hier eine andere Meinung. Dazu aber folgendes:

 

Die Staatsschuldenquote:

Der Vertrag von Maastricht ist ein europäischer Stabilitätspakt. Hier gibt es zwei wichtige Regelungen.

 

  1. Gesamt­verschuldung maximal 60% des Brutto­inlandsprodukts
  2. Neuverschuldung maximal 3% des BIP

 

 

Entweder kann nun Zähler gesenkt oder der Nenner gesteigert werden, um die Kriterien zu erfüllen.

 

Die Politik und die europäische Zentralbank:

Die Politik ist zuständig um Reformen auf den Weg zu bringen, um die Kriterien des Maastrichter Vertrags zu erfüllen. Die jüngere Vergangenheit hat wieder Mals bewiesen, dass die Politik nicht in der Lage ist, Reformen auf den Weg zu bringen. Ausgelöst von der letzten Finanzkrise hat die europäische Zentralbank (unabhängig, eigenständig) den Leitzins auf 0% gesenkt um das vorgegebene Inflationsziel (Realwirtschaft) von nahe, aber unter 2% zu erreichen. Dies kam der Politik zugute, woraufhin sich die Staaten günstig Refinanzieren konnten. Statt Schulden abzubauen, wurden weitere Schulden teilweise zu einem negativen Zins aufgenommen um bestehende Altschulden zu bedienen. Dies hat bei der europäischen Wirtschaftslokomotive Nr. 1 Deutschland zu einer Stagnation der Schulden geführt, nicht aber zur erwähnenswerten Reduzierung der Schuldenquote. Viel schlimmer ist das Bild in den anderen europäischen Ländern. Wenn Deutschland in Zeiten von Rekordleistungsüberschüssen es nicht schafft die Staatsschuldenquote zu senken, wie dann die anderen Mitgliedstaaten? Das System des Zinseszins und der immer weiter zunehmenden Schuldenquoten, wird irgendwann unweigerlich im Chaos und Enteignung des Steuerzahlers münden müssen.

 

Folgen des geringen Marktzinses:

Die gewünschte Inflation in der Realwirtschaft blieb aus, aber die Inflation bei Finanzwerten läuft auf Hochtouren. Anbei das Bild das Kurs-Gewinn Verhältnis des S&P500.

 

 

Deutlich zu sehen ist, dass wir uns historischen Höchstständen nähern. Zahlreiche weitere Indikatoren deuten auf einen Crash (zumindest Korrektur) hin. Man muss aber auch beachten, dass in der Geschichte noch niemals die Leitzinsen weltweit so gering waren wie heute. Investments, mit einem ausgewogenen Risiko-Renditen-Verhältnis, waren noch nie so schwer zu finden wie heute. Die Erkenntnis, dass eine Überbewertung schon immer in einer Korrektur endete, ist uns allen klar. Den Zeitpunkt einer Korrektur vorherzusagen ist unmöglich. Tendenzen, dass wir uns in einer Überbewertung befinden, sind überall zu erkennen.

 

Finanzkrise / Bankenkrise:

In der Finanzkrise von 2009 wankten die Banken, da diese sich mit Subprime Kredite verspekuliert hatten und die Steuerzahler einspringen mussten, um diese zu stützen (Kurzfassung).

 

- Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren.

 

Da Banken oftmals nach diesem Prinzip handeln und sich der Tatsache „to big to fail“ bewusst sind, wird sich an diesen Umstand auch zukünftig nichts ändern. Bereits kurz nach der Bankenkrise, kauften die Banken im Zuge der geringen Zinsen, Hochzinsanleihen des griechischen Staats.

 

Banken verschuldeten sich zu 1% und legen dieses Geld in Staatsanleihen des griechischen Staats zu 5% an. Die Differenz, also der Zinsgewinn, wurde abermals privatisiert. Dies klappt solange, wie der Anleiheemittent (Griechische Staat) nicht in Zahlungsschwierigkeiten gerät. Den Ausgang dieser Geschichte ist uns allen bekannt. Hier die Kurzfassung: Um die Banken vor enormen Abschreibungen zu schützen, wurde der Rettungsschirm (Steuergelder) gegründet. Das Geld wurde Griechenland gutgeschrieben und der Staat hat es seinen Gläubigern (Banken und weitere Gläubiger) ausgezahlt. Abermals wurden unsere Banken gerettet und der Steuerzahler musste die Zeche zahlen. Der Steuerzahler wird auch zukünftig für solche Eskapaden aufkommen müssen.

 

Schuldenquoten, Bonitäten und Refinanzierung:

Vor allem irritiert mich, dass Länder mit den höchsten Staatsschuldenquoten, oftmals die Länder sind, die die höchste Bonität genießen dürfen. Dies ermöglicht diesen Ländern sich zu einem geringen Zinssatz zu refinanzieren. Trotz diesen Bedingungen steigen die Schuldenquoten immer weiter an. Bereits heute lässt sich absehen, dass die Quoten nur noch über finanzielle Repression (Enteignung) abbaubar sind. Wenn die Bonität dieser Länder sinken sollte, würde das die Schuldenquote rasant ansteigen lassen und dies würde vermutlich zu einer Vertrauenskrise führen. Deshalb kann ich mir nicht vorstellen, dass die Bonitäten zukünftig gravierend gesenkt werden, trotz enormen Schulden.

 

Wie schätze ich das Risiko ein?

Bis es zu Zahlungsausfällen von Staatsanleiheemittenten höchster Bonität kommt, können noch Jahrzehnte vergehen. Eher sehe ich eine Enteignung der Bevölkerung. Im schlimmsten Fall endet das alles in einer Währungsreform. Am Schluss bleibt mir lediglich die Erkenntnis, dass Unternehmen Krisen und Kriege überlebten und immer wieder neue Höhen erreichten. Staatsanleihen hingegen hielten den Währungsreformen nicht stand und wurden im Wert abgewertet. Deshalb kaufe ich nur Staatsanleihen, von Staaten, die ich (subjektiv) für „sicher“ halte.

 

Krisenszenario:

Bei einer Krise werden die Kurse weiter steigen, da die Annahme von einer sicheren Anlageklasse auch weiterhin besteht. Die Korrelation zwischen dem Aktienmarkt und den Staatsanleihenkursen sollte in der Krise negativ werden. Oh hoppla, ist das nicht genau das was ich gesucht habe? Ich sage nein. Aktienkurse und Anleihenkurse haben nun eine negative Korrelation, aber die tatsächliche Rendite der Staatsanleihen sind in heutiger Zeit negativ. Ein Beispiel: Man gibt dem Staat 100€ und erhält nach Ablauf der der Zeit nur 99€ zurück. Dies ist in Zeiten der Niedrigzinspolitik realität. Somit ist die Rendite beider Anlageklassen negativ --> da ist sie wieder die positive Korrelation. An einen weiteren Anstieg der Anleihenkurse und somit eine steigende negative Renditen, halte ich für unrealitisch. Das ganze geht bis zu einem bestimmten Grad, aber irgendwann wird die Grenze des Geld verschenkens überschritten sein. Keiner will 100€ anlegen und am Ende 50€ zurück erhalten.

 

Fazit Staatsanleihen:

Staatsanleihen fallen somit aus meiner Suche nach einer Anlageklasse mit geringer Korrelation zum Aktienmarkt heraus. Staatsanleihen sehe ich eher als kleine Beimischung in meinem Portfolio.

 

5. Gold

Gold zählt zu den ersten Metallen, die von Menschen verarbeitet wurden. Bereits seit über 6.000 Jahren hat Gold einen Gegenwert für die Menschheit. Gold galt Jahrtausende als Zahlungsmittel und behielt über die ganze Zeit nahezu immer seinen inneren Wert. Ich bin der Meinung, dass wenn etwas solange funktioniert hat, auch zukünftig funktionieren wird. In Krisenzeiten verhielt sich Gold nahezu immer gegenläufig zum Aktienmarkt. Trotz der negativen Korrelation in Krisenzeiten, ist der Wert der Anlageklasse kontinuierlich gestiegen. Bei Währungsreformen war Gold auch immer die bessere Wahl. Gold erfüllt somit alle meine Anforderungen.

 

Historische Korrelation Gold und Aktienmarkt in Krisensituationen: Negativ

 

Zwei Szenarien sind zukünftig möglich:

  1. Wenn die Realwirtschaft aufgrund der Geldschwemme (Zentralbanken) anzieht, kommt die Inflation zurück. Gold behielt schon immer sein Wert und trotze der Inflation. --> Gold profitiert
  2. Wenn die Realwirtschaft aufgrund der Geldschwemme (Zentralbanken) nicht anzieht, kommt die Deflation. Dann müssen die Zentralbanken intervenieren und noch mehr Geld in den Markt pumpen. Sollte das Geld nicht in der Realwirtschaft landen, dann wird es an Finanzmärkten investiert. Dies wird zu unvorstellbaren Blasen führen, welche irgendwann platzen werden. --> Gold profitiert

Deshalb sehe ich eine positive Zukunft für Gold und investiere in diese Anlageklasse. Meine Goldquote setze ich bei 20% an. Sollte es im Verlauf der Zeit zu einer Verschiebung der Quote kommen, werde ich ein Rebalancing meines Depots vornehmen.

 

Hier nochmals kurzgefasst meine Gründe für Gold:

  • Geringe Korrelation zum Aktienmarkt in Krisenzeiten und langfristig steigend im Wert
  • Gold hat bereits seit über 6.000 Jahren einen Gegenwert für die Menschheit. Warum nicht nochmal 6.000 Jahre?
  • Ich habe keinen anderen erwähnenswerten Sachvermögen.
  • Absicherung im Falle einer Währungsreform
  • Egal ob Inflation oder Deflation, ich sehe die Goldentwicklung positiv
  • Absicherung, falls die Pessimisten am Ende Recht behalten

Anmerkung:

Trotz allem, bin und bleibe ich Optimist. Ich sehe mich nicht im Lager der Untergangspropheten. Mein Entschluss, in Gold zu investieren, ist eine für mich aus fundamentaler und rationaler Sicht begründete Entscheidung.

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