Gedanken vergangener Tage und Anregungen zum nachdenken

Während ich hoch volatile Assets wie Kryptowährungen und Aktien im Portfolio habe, ist mir trotzdem immer die Sicht auf das Wesentliche wichtig. Natürlich ist es von Bedeutung, wie sich einzelne Anlagen verhalten, aber viel ausschlaggebender ist die Gesamtperformance aller Anlagen zusammen. Das große Ganze ist wichtig. Demnach erscheint mir auch die volkswirtschaftliche Betrachtung als sinnvoll.

 

Peter Lynch sagte einst, "es ist nutzlos die Konjunktur, das Zinsniveau oder den Aktienmarkt vorherzusagen (also vergeude keine Zeit mit dem Versuch)". Damit wollte er sagen, dass die volle Konzentration auf der Auswahl der Aktien fokussiert sein sollte, egal wie der Gesamtmarkt bewertet ist. Mich würde interessieren, ob er dies auch heute noch so sehen würde?

 

Noch nie waren die realen Zinsen so negativ wie jetzt. Noch nie wurde seitens der Zentralbanken weltweit so stark interveniert und noch nie wurde die Geldmenge so rasch ausgeweitet wie heute.

 

André Kostolany lehrte uns "Geld ist für die Börse wie der Sauerstoff zum Atmen oder das Benzin für einen Motor. Ohne Geld kann die Börse nicht steigen, auch wenn die Zukunft noch so gut aussieht, Friede herrscht und die Konjunktur gut läuft. Niemand kann Aktien kaufen, wenn er kein Geld dafür übrig hat. Man könnte auch sagen, das Geld ist das Lebenselixier des Aktienmarktes". Die Geldmenge wurde im letzten Jahrzehnt im Zuge der Finanzwirtschaftskrise ausgeweitet um die Märkte zu stimulieren. Dieser Versuch ließ die Weltwirtschaft nur langsam wachsen und die erwartete Inflation blieb bis heute weitestgehend aus. Die ausgeweitete Geldmenge führte lediglich zu einer Inflation an den Finanzmärkten. Nahezu alle Anlageklassen stehen aktuell auf sehr hohem Niveau.

 

Wann werden die Zentralbanken wieder Normalität anstreben und die Bilanzsummen reduzieren, sowie die Leitzinsen wieder anheben und der Börse den Sauerstoff zum Atmen entziehen? Wenn die ausgeweitete Geldmenge des letzten Jahrzehnts zu Fehlallokationen im Sinne von unrentablen Investitionen geführt hat, müssen zukünftig Banken vermutlich große Abschreibungen tätigen oder abermals von Steuergeldern gerettet werden. Die große Frage, die dann im Raum steht wird, ist, werden die Steuergelder ausreichen um diese Löcher zu stopfen und wie werden die Zentralbanken die Märkte abermals stimulieren?

 

Meiner Meinung nach werden die Finanzmärkte kurzfristig von der Psychologie der Massen beeinflusst, während es langfristig mit dem Wirtschaftswachstum verwachsen ist. Jedoch kann eine negative Psychologie der Massen auch das langfristige Wirtschaftswachstum beeinflussen. Wenn alle von einer negativen Zukunft ausgehen, dann werden Investitionen zurückgehalten, wodurch weniger Beschäftigung herrscht usw.

 

Kostolany ging davon aus, dass wenn beide Faktoren Geld und Psychologie positiv sind, auch die Kurse an den Märkten steigen werden. Dieses Szenario trifft aktuell zu. Aber wie lange wird dieser Zustand anhalten? Werden die Zentralbanken wirklich jemals die Leitzinsen erheblich anheben und werden die Bilanzsummen der Zentralbanken weltweit wieder reduziert? Hat die rasche Geldmengenausweitung zu Fehlallokationen im Sinne von unrentablen Investitionen geführt? Wird das System nochmals eine Finanzweltwirtschaftskrise standhalten? Werden die Steuergelder zukünftig ausreichen um das System wieder neu zu starten?

 

Auch wenn ich dies vielleicht schon das ein oder andere Mal erwähnt habe, finde ich es heute wichtiger wie eh und je, sein Portfolio zu diversifizieren. Keiner weiß wie die Zukunft aussehen wird. Um für alle Eventualitäten gewaschen zu sein, sollten wir auf vielen Beinen stehen.

 

Vielleicht kommt alles ganz anders und die Geldmenge landet zukünftig tatsächlich in der Realwirtschaft, wodurch die Inflation angeheizt wird und sich die Staaten sowie die Schuldner von unrentablen Investitionen entschulden können. Somit bedarf es keinen direkten Transfer von Steuergeldern um insolvente Schuldner zu retten. Durch die Inflation würden auch die Umsätze der Unternehmen steigen, was zu gerechtfertigte Aktienbewertungen führen oder die Kurse noch weiter ansteigen lassen würde.

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